In Technikgeschichte

In einer kleinen Serie wollen wir Ihnen die Meilensteine vorstellen, welche die Grundlage für den Antrieb unseres SVT-Zuges darstellen. Dazu führt der Weg zurück bis zum Ende des Ersten Weltkriegs. Zu dieser Zeit stellen Hochleistungsmotoren für Luftschiffe und Flugzeuge die Hauptsparte der damaligen Luftfahrzeug-Motorenbau GmbH dar. Hauptabnehmer ist während des Krieges noch das Deutsche Heer, der Versailler Vertrag jedoch untersagt die Entwicklung und Fertigung in der Sparte Luftfahrt. Das junge Unternehmen, das 1918 den Namen Maybach-Motorenbau GmbH erhält, sieht sich nach dem Krieg also seines Hauptabsatzmarktes beraubt. Was tun?

Ein Hoffnungsschimmer ist ein Bericht, den Karl Maybach Mitte 1918, somit noch vor dem Waffenstillstand von Compiègne, von seinem jungen Mitarbeiter Richard Lang erhalten hat. Lang untersucht darin die Marktsituation für  schnelllaufende Dieselmotoren mit einer Leistung zwischen 130 und 150 PS und stellt auch erste technische Überlegungen an. Das Ergebnis seiner Voruntersuchung fällt eindeutig aus: Ein solcher Motor wird aktuell noch nicht hergestellt. Mit ihm könnte Maybach also einen ganzen Marktbereich neu besetzen und zudem bieten sich gleich mehrere Anwendungsgebiete für den Antrieb: hauptsächlich die Schiene aber auch Boote wären denkbar – für das kriselnde Unternehmen eine lebensnotwendige Perspektive. Schnell wird der Beschluss für die Entwicklung des Motors Typ G 1 gefasst (G steht für Gleichdruckmotor bzw. Diesel).

Um den Versuchsmotor schnell und kostengünstig herzustellen, werden Kurbelgehäuse, Kurbelwelle und Pleuel vom Luftschiffmotor Mb IV a übernommen. Eine erste Version des Kurbelgehäuses aus Aluminium muss jedoch zerstört und durch eine aus Grauguss ersetzt werden, da die Entente-Kommission vermutet, man plane einen neuen Flugzeug-Dieselmotor. Solche Motoren aber verbietet der Versailler-Vertrag.

Trotz dieser Hindernisse ist der G 1 bereits Ende 1920 bereit für die Prüfstandtests. Hier folgt die Ernüchterung: Insbesondere die Triebwerkslagerung leidet unter den höheren Anforderungen. Der G 1 ist nicht mehr als das, als was er konzipiert worden ist: ein erster Versuch. Doch auch wenn dieser Motor somit vor allem die Herausforderungen des technologischen Neulands offenbart, stellt er einen wichtigen Grundstein der späteren Entwicklung dar. Dazu demnächst mehr.

Quelle und auch ein wichtiger Lektüretipp zum Weiterlesen: Wilhelm Treue, Stefan Zima: Hochleistungsmotoren. VDI Verlag: Düsseldorf, 1992. Das Buch ist antiquarisch erhältlich. Wir weisen gerne darauf hin, dass eine erweiterte Neuauflage des Buches geplant ist.

Fotos: MTU Friedrichshafen GmbH
Versuchs-Dieselmotor Typ G 1 auf dem Prüfstand

 

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