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Große Vorhaben (und das ist die Restaurierung eines historischen Schnellzugs zweifellos) beginnen manchmal eher unerwartet, nehmen hier und da eine kleine Abzweigung und benötigen nicht selten auch den Zufall. Die Geschichte, wie die Maybach Stiftung zum SVT 137 856 der „Bauart Köln“ kam, macht hier keine Ausnahme.

Die Vorgeschichte beginnt zur Jahrtausendwende, als sich in Delitzsch (Sachsen) der Förderverein Diesel-Schnelltriebwagen (SVT) e.V. gründete. Das wichtigste Ziel des Vereins war damals die Aufarbeitung des SVT „Köln“. Er zählt zu den letzten vollständig erhaltenen Exemplaren der Schnelltriebwagen, mit denen die Reichsbahn Mitte der 1930er-Jahre das Verkehrswesen revolutionierte. Dass hier ein Paradigmenwechsel in der Mobilität stattfand, war auch den Zeitgenossen schon bewusst. „Stellen Sie sich vor: Da fährt auf dem einen Gleis eine Streichholzschachtel, eine Dampflok, die qualmt und rußt – und dann rauscht ein Schnellzug mit damals unglaublichen 160 km/h vorbei“, so Hans-Joachim Eitze, Vorsitzender des Förderverein Diesel-Schnelltriebwagen (SVT) e. V.

Dieses Dokument der Spitzentechnologie wollte der Verein zum Leben erwecken. Doch selbst für Experten bedeutete dies eine logistische, technische und nicht zuletzt auch finanzielle Herausforderung. 2011 hatte der Verein den SVT „Köln“ schleppfähig gemacht. Der Zufall wollte es, dass das Zeppelin Museum  just in diesem Jahr die Ausstellung „Wasser. Straße. Schiene. Luft: Mobilität am Bodensee“ plante. Der Besuch des Zugs in Friedrichshafen wurde ein voller Erfolg: Mehr als 7.500 Besucher – darunter auch eine Dame aus San Francisco: Irmgard Schmid-Maybach, Tochter von Karl Maybach, der prägenden Figur für die Entwicklung der Dieselmotoren des Zugs. Sofort bekundete Irmgard Schmid-Maybach ihr Interesse am Zug.

Andreas Hoffmann-Daimler, Urenkel von Gottlieb Daimler, der später von der Stiftung mit der Instandsetzung und Neugestaltung des Zuges beauftragt wurde, traf sich im Auftrag der Familie Maybach in Berlin mit Mitgliedern des Fördervereins. Eigentlich, um über die Möglichkeit einer Spende zu diskutieren. Doch „die Euphorie und das Herzblut des Vereins haben mich vom ersten Moment an mitgerissen“ erinnert sich Andreas Hoffmann-Daimler. Ihm wurde klar, wie entscheidend die Rolle Karl Maybachs bei der Entwicklung der SVT-Züge gewesen war.

Bereits beim ersten Treffen war man sich einig, dass man sich vorstellen könnte, gemeinsame Sache zu machen. Und nachdem Ulrich Schmid-Maybach, Enkel von Karl Maybach und Stiftungsgründer, bald darauf auf Einladung des Vereins den Zug in Augenschein nahm, fing auch er Feuer. 2014 ging der SVT „Köln“ in den Besitz der Maybach Stiftung über. Das Wissen über den Zug und die Verbundenheit gingen dabei nicht verloren. Bis heute stehen der Förderverein und die Maybach Stiftung im regelmäßigen, freundschaftlichen Wissensaustausch: So ist Vereinsmitglied Siegfried Fuchs im Expertenkreis des Projekts vertreten und steht mit Rat und Tat zur Seite.

Foto: Christiane Schleifenbaum
Ulrich Schmid-Maybach und Andreas Hoffmann-Daimler vor dem SVT „Köln“.

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